Man erzählt sich in Konstanz eine alte Legende aus dem Jahr 1414, zur Zeit des Konzils, als die Stadt von Adeligen, Geistlichen und Händlern aus ganz Europa erfüllt war. In diesen unruhigen Tagen lebte am Rande der Stadt eine Frau, die man der Hexerei verdächtigte. Sie war eine kundige Kräuterfrau, doch ihr Wissen um Heilkunst und alchemistische Geheimnisse flößte den Menschen Angst ein. Man munkelte, sie habe ein Wesen aus Glut, Asche, Feuer und Gold erschaffen – einen Glut-Homunkulus, der ihr diente und ihr geheime Kräfte verlieh.

Neid und Misstrauen machten bald die Runde. Die Bürger flüsterten in den Gassen, die Geistlichen warnten vor dunklen Künsten, und schließlich wurde sie vor das Stadtgericht gebracht. Der Rat von Konstanz erhob Anklage, und so wurde die Frau des Hexenwerks für schuldig befunden. Ihr Urteil: der Tod auf dem Scheiterhaufen.

Am Marktplatz, unweit des Münsters, loderten die Flammen. Die Gier der Menschen kannte keine Grenzen – wer das Spektakel aus nächster Nähe sehen wollte, musste Goldmünzen zahlen, mit denen Holz und Pech für das Feuer erkauft wurden. Während die Hitze des Feuers aufstieg, verschwand der Glut-Homunkulus in den Schatten. Doch statt Zorn und Rache zu schwören, wollte er seine Schöpferin ehren – nicht mit Vergeltung, sondern mit einem unvergesslichen Schauspiel.

In der Nacht nach der Verbrennung, als die Stadt in Dunkelheit lag, entfachte er neue Flammen. Nicht als zerstörerisches Feuer, sondern als leuchtende, tanzende Gestalten aus Glut und Funken, die durch die Straßen wirbelten. Die Bürger fürchteten sich zunächst, doch bald erkannten sie, dass keine Gefahr von den Wesen ausging. Stattdessen brachten sie Licht in die dunklen Gassen und erinnerten an das Vermächtnis der Frau, die einst verbrannt wurde.

Seither, so erzählt man sich, lebt die Magie des Glut-Homunkulus weiter. Und in den Nächten der Fasnacht, wenn Konstanz von Narren und Lichtern erfüllt ist, erheben sich die Feuerwesen erneut. Versteckt hinter Masken und Kostümen mischen sie sich unter das Volk, nicht um Rache zu üben, sondern um die Stadt mit feuriger Freude und tanzendem Licht zu erfüllen. Denn in Konstanz, wo einst Feuer über Unschuld richtete, brennen nun Flammen des Frohsinns – ein ewiges Spiel aus Glut und Gold, das niemals erlischt.